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Fakten statt Mythen
Zucht Hervorgehoben

Fakten statt Mythen

Redakcja ReptiMarket · · 1461 Aufrufe

Tierwohl ist einer der am häufigsten verwendeten Begriffe in der Terraristik. Aber wissen wir wirklich, was er im Lichte der geltenden Gesetze und des aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstands bedeutet? 🤔 In unserem neuesten Artikel trennen wir Fakten von Mythen und zeigen, was Tierschutz wirklich ausmacht – nicht aus emotionaler Sicht oder anhand von Meinungen, sondern anhand von Vorschriften, wissenschaftlichen Erkenntnissen und den biologischen Bedürfnissen der jeweiligen Art. Wir laden dich zum Lesen und zu einer sachlichen Diskussion ein.

Tierschutz – was sagt das Gesetz wirklich? Fakten statt Mythen

Tierwohl ist heute einer der am häufigsten verwendeten Begriffe in Diskussionen über die Zucht exotischer Tiere. Er taucht immer öfter in sozialen Medien, Veröffentlichungen und Kommentaren auf, wird aber ebenso oft subjektiv interpretiert – durch die Brille der eigenen Überzeugungen, Emotionen oder persönlichen Vorstellungen davon, wie Tiere gehalten werden sollten.

Es lohnt sich also, sich die grundlegende Frage zu stellen:

Was ist Tierwohl eigentlich im Lichte der geltenden Gesetze und des aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstands?

Entscheiden unsere Gefühle über das Wohlergehen? Oder vielleicht die geltenden Vorschriften? Oder sind es die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien?

Die Antwort ist einfacher, als man vielleicht denken würde.

## Tierschutz ist ein rechtlicher und wissenschaftlicher Begriff

Tierwohl ist kein willkürlicher Begriff.

Es bedeutet nicht, dass ein Tier unter Bedingungen leben sollte, die der Mensch als ästhetisch, bequem oder möglichst naturnah empfindet. Es darf auch nicht ausschließlich anhand eines einzelnen Fotos oder Videos beurteilt werden, das im Internet veröffentlicht wurde.

Tierwohl ist ein Begriff, der sowohl im Recht als auch in der Veterinärmedizin und den Biowissenschaften verwendet wird.

Deshalb sollte jede seriöse Diskussion auf drei Säulen basieren:

• dem geltenden geschriebenen Recht,
• dem aktuellen wissenschaftlichen Stand,
• der Biologie der jeweiligen Art.

Genau diese Elemente bilden die Grundlage für die Bewertung der Haltungsbedingungen von Tieren – und nicht individuelle Überzeugungen oder Emotionen.

## Was sagt das polnische Recht?

Das grundlegende Gesetz zum Tierschutz in Polen ist das Tierschutzgesetz vom 21. August 1997.

Schon der erste Artikel des Gesetzes legt einen grundlegenden Grundsatz fest:

> „Ein Tier ist als Lebewesen, das Leid empfinden kann, keine Sache. Der Mensch schuldet ihm Respekt, Schutz und Fürsorge.“

Das ist eine der wichtigsten Vorschriften des gesamten Tierschutzsystems in Polen.

Gleichzeitig definiert das Gesetz in § 4 den Begriff der artgerechten Behandlung von Tieren und stellt klar, dass damit eine Behandlung gemeint ist, die die Bedürfnisse des Tieres berücksichtigt und ihm Fürsorge und Schutz gewährleistet.

Noch wichtiger ist jedoch der Begriff der angemessenen Lebensbedingungen, den der Gesetzgeber als die Gewährleistung definiert, dass ein Tier entsprechend den Bedürfnissen seiner Art, Rasse, seines Geschlechts und seines Alters leben kann.

### Genau diese Bestimmung ist von entscheidender Bedeutung.

Das Gesetz sagt nichts über die Art des Terrariums aus.

Es sagt nichts über das Material aus, aus dem es hergestellt sein sollte.

Es sagt nichts über die Farbe der Einrichtung aus.

Es gibt keine Vorgaben für eine bestimmte Haltungsweise.

Das Gesetz betont vor allem die Notwendigkeit, Bedingungen zu gewährleisten, die der Biologie der jeweiligen Art entsprechen.

## „Entsprechend den Bedürfnissen der jeweiligen Art“

Das ist einer der wichtigsten Formulierungen des gesamten Gesetzes.

Und gleichzeitig eine der am häufigsten übersehenen.

Der Gesetzgeber hat den allgemeinen Begriff „Tier“ nicht zufällig gewählt.

Er hat den Begriff verwendet:

> „entsprechend den Bedürfnissen der jeweiligen Art“.

Warum?

Weil es keine einheitliche, universelle Art gibt, alle Tiere zu halten.

Ein Gecko braucht andere Bedingungen.

Eine Python wieder andere.

Ein Waran wieder ganz andere.

Und eine Schildkröte wieder ganz andere.

Jede Art hat ihre eigene Biologie, ihr eigenes Verhalten und ihre eigenen Umweltbedürfnisse.

Genau diese sollten der Maßstab sein, wenn es um das Wohlergehen geht.

Nicht unsere Vorstellungen.
Nicht Gewohnheiten.
Nicht Modetrends.
Nicht Ästhetik.
Ausschließlich die biologischen Bedürfnisse der jeweiligen Art.

## Was sagt die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH)?

Eine der weltweit wichtigsten Autoritäten im Bereich Tiergesundheit und Tierschutz ist die Weltorganisation für Tiergesundheit (WOAH).

Die WOAH definiert Tierschutz wie folgt:

> „Den physischen und psychischen Zustand eines Tieres in Bezug auf die Bedingungen, unter denen es lebt und stirbt.“

Diese Definition ist von großer Bedeutung.

Sie zeigt nämlich, dass das Wohlergehen in erster Linie anhand des Zustands des Tieres selbst beurteilt wird und nicht durch die Bewertung eines einzelnen Ausstattungselements oder einer Haltungsform.

Die WOAH weist außerdem darauf hin, dass zum Wohlergehen unter anderem gehören:

• angemessene Ernährung,
• Zugang zu Wasser,
• eine geeignete Lebensumgebung,
• die Möglichkeit, artspezifische Verhaltensweisen auszuleben,
• Schutz vor Schmerzen, Krankheiten und chronischem Stress.

Es taucht also wieder derselbe gemeinsame Nenner auf – die Bedürfnisse der jeweiligen Art.

## Gesetzgebung, wissenschaftliche Studien und Meinungen – das ist nicht dasselbe

In Diskussionen zum Thema Tierschutz werden sehr oft drei völlig unterschiedliche Begriffe miteinander verwechselt.

### Geschriebene Gesetze

Das sind Gesetze und Verordnungen, die auf dem Gebiet Polens gelten.

Ihre Einhaltung ist verpflichtend.

Sie bilden die Grundlage für die Arbeit der Gerichte, der Verwaltungsbehörden und der Veterinärinspektion.

### Wissenschaftliche Studien

Das sind die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten, die in begutachteten Fachzeitschriften veröffentlicht werden, sowie Studien, die von Fachleuten erstellt werden.

Gerade diese Forschungsarbeiten erweitern unser Wissen über die Biologie einzelner Arten und bilden oft die Grundlage für die Erstellung neuer Vorschriften oder Empfehlungen.

### Meinungen

Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung.

Das gilt für Züchter, Tierärzte, Biologen, zivilgesellschaftliche Organisationen oder Tierfreunde.

Doch eine Meinung – selbst wenn sie sehr oft wiederholt wird – wird dadurch noch lange nicht zum geltenden Recht.

Ebenso ändert eine einzelne wissenschaftliche Veröffentlichung nicht automatisch die geltenden Vorschriften.

Deshalb lohnt es sich, jede öffentliche Diskussion mit einer einfachen Frage zu beginnen:

Beruht die jeweilige Behauptung auf geltendem Recht, auf wissenschaftlichen Untersuchungen oder ist sie lediglich die Meinung einer Person?

## Kann man Reptilien verantwortungsbewusst halten?

Diese Frage taucht sehr oft auf.

Kann man Reptilien verantwortungsvoll halten und ihnen ein angemessenes Maß an Wohlergehen gewährleisten?

Unserer Meinung nach lautet die Antwort: Ja.

Aber verantwortungsvolle Zucht basiert nicht auf Vermutungen oder zufälligen Lösungen.

Sie basiert auf:

• Kenntnissen über die Biologie der Art,
• langjähriger Beobachtung der Tiere,
• praktischer Erfahrung,
• angemessener tierärztlicher Versorgung,
• der Auswertung verfügbarer wissenschaftlicher Studien,
• der ständigen Verbesserung der Haltungsmethoden.

Das Wohlergehen von Reptilien lässt sich tatsächlich nicht immer leicht messen.

Das heißt aber nicht, dass man ihn nicht beurteilen kann.

Die moderne Wissenschaft nutzt viele Indikatoren, wie zum Beispiel:

• Gesundheitszustand,
• Lebenserwartung,
• normale Entwicklung,
• Fortpflanzungserfolg,
• Verhalten,
• physiologische Indikatoren,
• Stressreaktionen.

Genau diese Indikatoren ermöglichen es, die Bedürfnisse der einzelnen Arten immer besser zu verstehen.

## Wissenschaft und Praxis sind keine Gegenspieler

Manchmal hört man die Ansicht, dass nur die Theorie oder nur die Praxis es ermöglicht, das Wohlergehen richtig einzuschätzen.

Das ist eine falsche Unterscheidung.

Die Entwicklung einer verantwortungsvollen Zucht basiert seit Jahren auf der Zusammenarbeit vieler verschiedener Bereiche.

Eine große Rolle spielen dabei:

• Tierärzte,
• Biologen,
• Ethologen,
• Forscher,
• erfahrene Züchter, die seit vielen Jahren die Entwicklung, Gesundheit und das Verhalten der Tiere in ihrer Obhut beobachten.

Die besten Ergebnisse erzielt man durch die Verbindung von fundierter wissenschaftlicher Forschung mit verantwortungsvoller Zuchtpraxis.

## Tierwohl ist eine Verantwortung

Ein verantwortungsbewusster Tierhalter fragt nicht:

> „Wie machen das die anderen?“

Er sollte fragen:

> „Was sind die biologischen Bedürfnisse der Art, um die ich mich kümmere, und wie kann ich dafür sorgen, dass sie erfüllt werden?“

Genau diese Herangehensweise steht sowohl im Einklang mit dem polnischen Recht als auch mit dem internationalen Verständnis von Tierschutz.

## Zusammenfassung

Tierwohl darf nicht durch Emotionen, Modetrends oder subjektive Empfindungen definiert werden.

Er sollte auf folgender Grundlage beurteilt werden:

✔ geltendem Gesetz,
✔ fundierten wissenschaftlichen Studien,
✔ dem Wissen über die Biologie der jeweiligen Art,
✔ einer objektiven Beurteilung des Gesundheitszustands und des Verhaltens des Tieres.

Es ist kein Zufall, dass sowohl das polnische Tierschutzgesetz als auch die WOAH-Standards auf die biologischen Bedürfnisse der jeweiligen Art Bezug nehmen.

Genau diese sind die Grundlage für das Wohlergehen.

Nicht unsere Vorstellungen.

Nicht Emotionen.

Nicht auf Internetdiskussionen.

Sondern das Gesetz, die Wissenschaft und eine verantwortungsvolle Tierhaltung.

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Autor des Textes

Redakcja ReptiMarket